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Achterbahnfahrt

 

Eins vorweg: ich bin nur einmal in meinem Leben Achterbahn gefahren – aber das hat mir für den Rest meines Lebens gereicht. In Coburg war das noch – ich kann also höchstens acht gewesen sein, denn ich darauffolgenden Jahr sind wir weggezogen. Danach habe ich nie wieder eine Achterbahn betreten, und ich habe gehofft, dass mir das auch erspart bleiben wird.

 

Nein, ich fahre auch jetzt nicht Achterbahn. Nicht auf dem Volksfest jedenfalls, Das ist sowieso abgesagt. Wie so vieles. Nein, es ist meine Stimmung, die Achterbahn fährt!

 

Manchmal bin ich euphorisch. Wenn zum Beispiel eine WhatsApp mit oft wirklich spaßigem Inhalt auf meinem Handy aufploppt. Oder als gestern eine elektronische Grußkarte von einer Internet-Freundin in meinem E-Mail-Postfach lag. Sie hat mich vermisst, weil wir schon eine ganze Weile nichts mehr voneinander gehört haben. Ich freue mich auch riesig über die E-Mails von Freunden und Autoren-Kollegen, die sich bemühen, die Krise mit Humor, Haikus oder lustigen Geschichten zu meistern.

 

Anrufe allerdings sind selten geworden – aber das hat nichts mit der aktuellen Lage zu tun.

 

Ebenso schnell saust meine Befindlichkeit aber auch wieder abwärts. Immer dann, wenn ich – eher aus Versehen – am Fernseher vorbeilaufe. Da hocken dann wieder ein paar Experten und debattieren darüber, ob das Tragen von Mundschutz jetzt sinnvoll sein soll oder nicht. Die einen reden so, die anderen so. Zwei Stunden später drehen sie sich um die eigene Achse und behaupten das Gegenteil von dem, was sie vor kurzem als allumfassende Wahrheit verkündet hatten …

 

Wie wäre es denn, meine Herren Experten, wenn Sie sich vielleicht mal einigen und dann ein gemeinsames Ergebnis bekanntgeben würden? Desgleichen bei den Zahlen von Infizierten, Erkrankten, Verstorbenen? Wem soll man denn überhaupt noch glauben?

 

Seltsamerweise fällt mir in diesem Zusammenhang auf, dass mir unter den Experten noch kein einziges weibliches Wesen untergekommen ist. Gibt es darunter keine Experten? Oder sind die Frauen nur als Labormäuschen gefragt? Sie führen die Untersuchungen durch, und die Herren Professoren dürfen dann das Ergebnis aller Welt verkündigen … Schon merkwürdig!

 

Auf die zahllosen Verschwörungstheoretiker, deren Thesen mittlerweile bei Facebook & Co. die absonderlichsten Blüten treiben, will ich gar nicht eingehen. Da spekuliert auch jeder fröhlich drauflos. Ahnung hat keiner – aber mitreden will jeder … Oder mitstreiten. Oder provozieren. Je nach Gemütszustand …

 

Ich persönlich habe bei Facebook vorübergehend den Stecker gezogen. Und soll ich die Wahrheit sagen? Es geht mir seither besser!

 

Jetzt amüsiere ich mich lieber über den Bericht aus einem Markt irgendwo im Westen der Republik – wo genau, weiß ich nicht mehr –, der auf den Gedanken gekommen ist, einen Klopapier-Drive-In zu installieren. Die Paletten wurden auf dem Parkplatz aufgereiht, und – wie bei einer Autowaschanlage – reichen die Insassen das Geld durchs Fenster und bekommen dann die ‚Ware’ in den Kofferraum gelegt. Dass die nicht unbedingt billig ist bei so einem Service, versteht sich ja von selbst. Und – man glaubt es kaum – innerhalb kürzester Zeit waren die Paletten leer …

 

Oder Bäcker und Konditoren … Da sind schon einige auf die Idee gekommen, Kuchen oder Torten in Form einer Klopapier-Rolle anzubieten! Mit sagenhaftem Erfolg! Nun muss man sich nur noch vorstellen, dass in einem Haushalt eine Person lebt, die – sagen wir – ein bisschen tüddelig ist. Was dann unter Umständen mit der Torte passiert, darf sich jeder gerne selbst ausmalen!

 

Jetzt bin ich mal gespannt, wie lange es dauern wird, bis man sich mal wieder einigermaßen frei bewegen darf. Wenn man den Gerüchten glauben darf, kann das noch Monate dauern. Und danach?

 

Kosmetikerinnen, Nageldesigner, Massagepraxen, Podologen und Friseure – soweit sie ihre Pforten nicht für immer schließen mussten - werden vermutlich dermaßen überrannt, dass man ohnehin keine Chance hat, innerhalb eines halben Jahres einen Termin zu bekommen.

 

Das ist mir eigentlich egal. Nageldesigner und Kosmetikerinnen haben schon bisher keinen Cent an mir verdient – die werden mich deshalb auch nicht vermissen. Aber auch den Friseurbesuch könnte ich noch eine Weile hinausschieben.  

 

Ich liebe nämlich den Hippie-Look. Jetzt mehr als damals, als er wirklich ‚in’ war. Entsprechende Kleidung ist vorhanden. Desgleichen Jesuslatschen und Stirnbänder in ausreichender Zahl. Damit falle ich ab dem Herbst garantiert nicht auf. Nur – ob meine Friseurin davon auch so begeistert ist?

 

 

 

 

 

© Christine Rieger / 2020

 

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Margit (Donnerstag, 02 April 2020 19:41)

    Hallo Christine, deine Stimmungsachterbahn ist gut nachzuvollziehen und mal kopfnickend, mal kopfschüttelnd zu lesen. In vielem muss ich dir zustimmen - die widersprüchlichen Expertenmeinungen, das Verwirrspiel mit Zahlen von Getesteten, Infizierten, im Krankenhaus behandelten, Gestorbenen und Gesundeten - wahrscheinlich hab ich noch einige vergessen. Ich wünsche dir, dass deine Frohnatur die Oberhand behält.
    LG Margit

  • #2

    Christine Rieger (Donnerstag, 02 April 2020 21:46)

    Liebe Margit,
    vielen Dank für Deinen Besuch auf meiner Seite und Deinen Kommentar.
    Ja,, ich wünsche mir auch, dass die Zeiten sich bessern und dann auch meine gute Laune zurückkehrt. Hoffen wir, dass es nicht gar so lange dauert!
    Liebe Grüße
    Christine