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Lauter ungelöste Rätsel

Inzwischen sind mehr als 2 Wochen ‚Hausarrest’ vergangen. Der Frühling ist mit Macht eingekehrt. Es ist warm draußen und man hätte Lust, sich aufs Fahrrad zu schwingen … oder ins Auto zu steigen und endlich mal auf dem Wochenendgrundstück nach dem Rechten zu sehen.

 

Ersteres dürfte man. Aber – nein, danke! Wenn man so die Bilder im Fernsehen sieht (oder sich doch mal auf einen Spaziergang hinauswagt), bekommt man den Eindruck, die Bevölkerung hätte sich verdoppelt. Niemals hat man so viele Leute in den Parks herumlaufen sehen wie in diesen Tagen. Niemals sind einem so viele Radfahrer und Jogger begegnet wie jetzt. Schon merkwürdig … Aber es scheint ein Unterschied zu sein, ob man jederzeit hinaus kann, wenn man will und dann tausend Ausreden erfindet, warum man keine Lust hat – oder ob man nicht hinaus darf und jetzt tausend Ausreden erfindet, warum an unbedingt hinaus muss

 

Man kommt schon auf merkwürdige Gedanken, wenn man auf einmal viel Zeit hat. Eins der ungelösten Rätsel dieser Tage ist zum Beispiel, warum es einem untersagt ist, sich ins Auto zu setzen und 30 km außerhalb der Stadt sein Wochenendgrundstück aufzusuchen. Da ist man garantiert allein und kann niemandem seine – so vorhandenen – Viren vererben. Man darf aber in Parks spazieren gehen, wo es nahezu unmöglich ist, all den anderen – urplötzlich so auf die Natur erpichten – Mitmenschen aus dem Weg zu gehen. Siehe oben ...

 

Ein weiteres seltsames Phänomen: Man stelle sich einen Handwerker vor. Sagen wir: einen Elektriker. Oder einen Dachdecker. Beide dürfen – im Dienste ihrer Firma – auf fremden Baustellen arbeiten. Selbstredend zusammen mit Kollegen. Nehmen wir weiter an, der gleiche Handwerker ist gerade beim Umzug in eine neue Wohnung. In seiner eigenen Wohnung darf er aber nicht herumwerkeln. Obwohl er da ganz alleine zugange ist und allenfalls seine Gattin dabei hat, die ihm die Werkzeuge zureichen darf. Er wohnt ja noch nicht drin ... Diese Unlogik möge mir doch bitte mal jemand erklären!

 

Weiteres Beispiel: eine alleinstehende Person lebt in einem Einzimmer-Appartment ohne Balkon. Spazierengehen darf sie – aber sie darf sich nicht hinsetzen und irgendwo auf einer Bank ein Buch lesen. Mit welcher Begründung? Wenn sonst niemand da ist? Schließlich kann besagte Person doch dafür sorgen, dass sie auf der Bank auch allein bleibt ...

 

Und noch so eine Unlogik: Kleine Gärtnereien oder Boutiquen mussten ihre Geschäfte schließen – aber die Discounter haben durchaus auch Blumen, Pflanzen und Klamotten in ihrem Sortiment. Auch die großen Lebensmittelmärkte. Wo ist da die Logik?

 

Man möge mir verzeihen – aber vielleicht stimmt ja was mit meiner Denke nicht mehr. Was nicht sehr verwunderlich wäre – gesunder Menschenverstand scheint nicht gefragt in diesen verrückten Zeiten. Oder aber es hängt damit zusammen, dass ich eine Frau bin. Und die können – nach Ansicht vieler Männer – sowieso nicht logisch denken.

 

Sei’s drum – dass momentan keine Klamottenläden geöffnet haben, ist mein geringstes Problem. Ich komme ja sowieso nirgends hin. Und Jogging-Anzüge für zu Hause habe ich reichlich!

 

© Christine Rieger / 2020

 

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Inga Scheer-Ruhland (Dienstag, 07 April 2020 14:23)

    Liebe Christine,
    da hast Du die logische Unlogik der Deutschen genau auf den Punkt gebracht!
    Habe mich sehr über Deinen Tatsachenbericht gefreut. Bitte mehr davon!!!

  • #2

    Christine Rieger (Dienstag, 07 April 2020 14:56)

    Liebe Inga,
    vielen Dank für Deinen Besuch auf meiner Seite!
    Es gäbe noch viel mehr solcher Beispiele - aber dann wäre die Geschichte zu lang geworden ...
    Es wird immer wieder mal solche "Lageberichte" geben, solange der "Hausarrest" andauert. Versprochen!