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Urlaubspläne

 

 

In den letzten zwei Wochen habe ich mich mit Blogbeiträgen dezent zurückgehalten. Aus gutem Grund ...

 

Mein Frust war so groß,  dass ich  – hätte ich diesem Ausdruck verliehen  – vermutlich die Sperrung meiner Website riskiert hätte. Das wollte ich auf keinen Fall. Ganz abgesehen davon: Zu Hause in den vier Wänden fehlt es irgendwie an Inspiration. Die täglichen Fernsehsendungen, die auch nach sechs Wochen Kontaktbeschränkung  nichts anderes kennen als Corona rauf und runter, sind wenig ergiebig.

 

Außer Haus gekommen bin ich in den letzten Wochen kaum. Allenfalls zum Rad fahren – aber das macht wenig Spaß angesichts der Menschenmassen, die sich überall tummeln. Desgleichen Einkäufe. Der angeordnete Maskenzwang sorgt dafür, dass man so schnell wie möglich seine paar Sachen im Laden besorgt und dann macht, dass man wieder nach draußen kommt, wo man sich des Lappens entledigen darf. Noch!

 

Inzwischen sind zwar wieder mehr Geschäfte geöffnet – aber Klamotten probieren mit Mundschutz?  Finde ich nicht gerade erstrebenswert. Mir reicht es schon, wenn ich vor dem Metzgerladen eine halbe Stunde im Freien warten muss. Selbstverständlich mit Maske, denn ich will ja keine 150 Euro Strafe löhnen müssen. Was von einer hiesigen Zeitung als ‚allgemeine Akzeptanz der Mundschutzpflicht’ ausgelegt wurde ...

 

Nun ja. Schwamm drüber. Ich verlasse das Haus nur noch, um zum Arzt oder in die Apotheke zu gehen. Oder irgendwohin ins Freie, wo ich noch so auftreten kann wie früher.

 

Aber ich bin schon wieder vom Thema abgekommen. Eigentlich ging es ja um Urlaub.

 

Urlaub im Ausland ist in diesem Jahr gestrichen. Die Grenzen sind dicht, Hotels und Restaurants geschlossen. Wie es in Sachen ‚Urlaub in Deutschland’ aussieht, steht noch in den Sternen. Aber selbst wenn in dieser Hinsicht eine Lockerung kommen sollte: Ohne Abstandsregelung und Maskenverhüllung wird es keinen Urlaub geben. Und das soll dann Spaß machen?

 

Stellen Sie sich vor, Sie dürfen tatsächlich reisen. Sie haben einen Aufenthalt in einem Wellness-Hotel gebucht, und das darf wieder öffnen ... und dann?

 

Frühstücksbüffet? Wie soll das gehen? Eine Dreiviertelstunde vor dem Frühstücksraum warten, bis irgendwer herauskommt, der Tisch desinfiziert wurde und Sie dann eingelassen werden? Nur jeder zweite oder dritte Tisch besetzt – wegen des Sicherheitsabstands? Wie gemütlich ... Vielleicht aber wird das Büffet total abgeschafft, und Sie bekommen – wie früher – ihre Ration zugeteilt, die Sie innerhalb einer bestimmten Zeit reinwürgen müssen. Schließlich warten draußen ja noch andere Gäste. Oder Sie kriegen – wie zur Zeit die Bewohner von Altersheimen – ihre Mahlzeiten auf dem Zimmer serviert. Selbstverständlich gegen Aufpreis. Schließlich müssen die entgangenen Einnahmen der letzten Monate wieder kompensiert werden!

 

Tagsüber können Sie entweder durch Geisterstädte flanieren und geschlossene Rollläden betrachten – oder aber, wenn Sie auf geöffnete Geschäfte stoßen – diese nur mit Tropfenfänger vorm Gesicht betreten. Wenn Sie - weil Ihnen unter dem Lappen die Luft wegbleibt - husten müssen, fliegen Sie sofort wieder hochkant hinaus, und das Gesundheitsamt wird verständigt. Schließlich könnte es sich bei Ihnen ja um eine Virenschleuder handeln! Oder Sie niesen – weil es in dem Laden nach irgend etwas chemischem stinkt. Oder Sie eine Pollenallergie haben ... Dann sind Sie sowieso ein potenzieller Massenmörder!

 

Aber was machen Sie sonst? Das hoteleigene Schwimmbad ist geschlossen. Ein eventuell vorhandenes Thermalbad oder das Freibad desgleichen. Bergbahnen? Außer Betrieb. Eisdielen? Entweder geschlossen – oder Sie dürfen sich zwar anstellen, um dann, wenn Sie Ihre Eiskugeln haben, im Schweinsgalopp die 50-Meter-Sperrzone zu verlassen. Und dabei immer aufpassen, dass Sie sich mit dem kleckernden Eis nicht noch die Klamotten versauen! Also üben Sie erst mal das Sprinten! Sonst haben Sie Matsch in der Tüte, ehe Sie die Verbotszone verlassen haben. Also nix für ältere Herrschaften ...

 

Und dann geht es zurück ins Hotel – sofern Sie Ihre Unterkunft unter diesen Voraussetzungen überhaupt verlassen haben. Abendessen? Verläuft ungefähr unter den gleichen Bedingungen wie das Frühstück. Ein Absacker an der Hotelbar? Nee. Geht gar nicht. Die Bar ist mit rotweißem Absperrband oder wahlweise aufgestellten Paravents unzugänglich gemacht worden. Vielleicht können Sie ja den Barkeeper aus sicherer Entfernung dabei beobachten, wie er Gläser poliert ...

 

Also was bleibt? Ein gemütlicher Abend vor dem Fernseher – mit Corona-Sondersendungen ...

 

Mal im Ernst: Würden Sie unter solchen Umständen in Urlaub fahren wollen?

 

 

 

© Christine Rieger / 2020

 

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