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Essen à la carte

 

 

 

Was essen wir heute? Und wann? Das ist wohl die am meisten gestellte Frage aller Fragen. Jedenfalls bei uns.

 

In Vor-Corona-Zeiten war das weiter kein Problem. Hatte keiner Lust, sich in die Küche zu stellen, gab es eben mal einen Döner. Oder ein Leberkäsweggla. Oder wir gönnten uns den Luxus eines Gaststättenbesuchs. Auswahl haben wir genug – Fränkisch, Chinesisch, Italienisch, Griechisch, Jugoslawisch ... (heißt das eigentlich noch so?) In unserem  und den umliegenden Stadtteilen kann man sich quer durch die UNO futtern.

 

Nun ja - seit Corona Einzug gehalten hat, ist das schwierig bis unmöglich geworden. Momentan, im inzwischen neunten Monat der Pandemie, geht gar nichts. Außer ‚mangiare to go’. Also Essen vorbestellen und nach Hause liefern lassen oder abholen. Im Winter nicht so prickelnd. Kalte Pizza oder kaltes Schäufele? Beides ziemlich lätschert. Kein Hochgenuss!

 

Was bleibt also übrig? Selber kochen!

 

Bei uns endet das gewöhnlich in einer Küchenschlacht. Schon deshalb, weil wir uns eher selten einig sind, was die Speisekarte anbelangt. Manchmal sind nämlich Reste vom Vortag übrig, die nur noch für eine Person reichen. Oder einen von uns gelüstet es nach etwas, das der andere absolut nicht mag.

 

Womit wir bei unserem hauseigenen ‚Essen à la carte’ wären. Bei uns bedeutet das nämlich nichts anderes, als dass jeder etwas anderes isst und wir zu zweit in der Küche herumwursteln. So wie heute.

 

Nach meinem ausgiebigen Frühstück so gegen halb eins habe ich erst mal keinen Appetit. Und schon gar keine Lust, am Nachmittag noch endlos in der Küche zu stehen. Zumal ich gegen Abend zu einem Skype-Date verabredet bin. Mein Göttergatte, im Gegensatz zu mir eingefleischter Frühaufsteher, schiebt Kohldampf.  Logisch, wenn man schon mitten in der Nacht Kaffee getrunken  hat!

 

Die Inspektion des gut gefüllten Vorratsschranks (wir könnten ohne Weiteres drei Monate Ausgangssperre überstehen) ergibt unter anderem zwei Packungen Kaiserschmarrn, deren Verfallsdatum in greifbare Nähe gerückt ist. Hm. Das wär‘s. Geht schnell und schmeckt. Zugegeben, an das Original in alpinen Berghütten kommt es nicht ran. Aber der Hunger treibt’s rein. Mein Mann isst Kaiserschmarrn allerdings nur unmittelbar vor dem Hungertod. Jetzt ist guter Rat teuer ...

 

Er selbst kommt auf die Idee, er könnte sich ja ‚Pfannakoung’ machen. Für Nicht-Franken: Pfannkuchen. Die sind nun nicht so mein Fall. Also kurz und bündig: Wir essen heute ‚ à la carte’.

 

Und damit beginnt der Kampf. Um die Herdplatten. Um die Bratpfannen. Um die Packung mit den Eiern, die Milch, die Zuckerdose ...

 

„Ich mou an di Besteckschubladn – edzerdla mach hald amol Blatz!“

 

„Herrschaftszeitn, kannst du ned waddn, bis ich ferddich bin?“

 

„Wou is denn scho widder mei Löffl hiekummer?“

 

„Edzerdla gib mier doch aa endlich amol den Dingsda, no, den Wender! Du braugst doch kanne zwaa, odder?“

 

„Doch, wall der Daach asu klebrich is! Dou in derer Schubladn mou doch nu anner sei. Mach hald amol deine Glotzer aaf!“

 

„Däi Schubladn gäiht ned aaf. Dou klemmt irchndwos!“

 

In solchen Situationen bedauere ich zutiefst die Köche in Gaststätten. Schließlich wollen Gäste, die am selben Tisch sitzen, auch möglichst gleichzeitig essen.

 

Oder wie mag es wohl in der Großküche eines Kreuzfahrtschiffes zugehen? Wenn mehrere Tausend Passagiere und Besatzungsmitglieder mit Essen versorgt werden müssen? Ich bin mir nicht sicher, ob da nicht ab und zu Tranchiermesser oder Hackebeilchen durch die Gegend fliegen!

 

Also, für mich wäre das nichts! Ich verliere ja schon die Nerven, wenn ich gleichzeitig Spaghetti und die dazugehörige Hackfleischsoße auf dem Herd beaufsichtigen und nebenbei einen Salat anrichten und den Tisch decken soll.

 

Insofern wäre ich durchaus dankbar, wenn dieses vermaledeite Corona sich endlich verdünnisieren würde, damit wir unseren gelegentlich etwas eintönigen Speiseplan mit Döner, Pizza oder Leberkäsweggla aufpeppen könnten. Und in unserer Küche nicht nur wieder Ruhe, sondern auch Ordnung einkehren würde.

 

Die am Zweithäufigsten gestellte Frage lautet nämlich: Wer räumt jetzt die Küche auf?

 

 

 

 

 

© Christine Rieger / 2020

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Inga Scheer (Sonntag, 13 Dezember 2020)

    Herrlich!
    Liebe Christine, ich sah Euch förmlich in der Küche stehen und die Kochlöffel schwingen :-) Jetzt habe ich Hunger bekommen ...

  • #2

    Christine (Sonntag, 13 Dezember 2020 17:12)

    Eigentlich sollte die Geschichte Dich zum Lachen bringen und nicht zum Essen animieren!
    Aber vielleicht ist auch das gar nicht so schlecht ...
    Liebe Grüße und vielen Dank für Deinen Kommentar!