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Osterruhe

 

 

 

Nun ist es also raus. 11 Stunden Marathon-Sitzung der bundesdeutschen Regierung mit dem Ergebnis, dass wir an Ostern gar nichts mehr dürfen. Noch nicht mal Lebensmittel einkaufen. Oder anders ausgedrückt: Der Berg kreißte stundenlang und gebar ein Mäuslein ...

 

Für uns in Bayern ändert sich ohnehin nicht viel. Wir durften ja bisher schon herzlich wenig. Zumindest im Vergleich zu anderen Bundesländern. Das Einzige, was neu hinzukommt, ist die sogenannte ‚Osterruhe’. Nette Umschreibung für ‚erweiterte Ausgangssperre’ ... Aber sei’s drum. Diese ‚Osterruhe’ besagt nichts anderes, als dass am Gründonnerstag nun auch die Supermärkte schließen müssen.

 

Nun ja – es ist jetzt nicht unbedingt ein Weltuntergang, wenn man einen Tag früher die Supermärkte schließt. Nur logisch ist es nicht. Als ob das böse Virus an einem Tag mehr oder weniger sooo viel Schaden anrichten könnte ...

 

Inzwischen wird kommuniziert, dass am Karsamstag die Supermärkte zwar öffnen, aber ‚ausschließlich’ Lebensmittel’ verkaufen dürfen. Interessant! Wenn die Kunden in die Tiefkultruhe langen oder an der Wursttheke Schlange stehen, geht das Virus also aus dem Weg. Das hüpft nur in jenen Gängen herum, in denen Textilien, Schuhe, Waschpulver oder Briefumschläge liegen ... Ähm ... geht’s jetzt eigentlich noch?

 

Man verzeihe mir die Frage, was das für eine seltsame ‚Logik’ sein soll! Statt die Einkaufs-Orgien zu entzerren, werden sich jetzt um so mehr Menschen in den Tagen zuvor und danach in den Läden tummeln. Logisch. Wenn man schon nicht verreisen darf (es sei denn, man fliegt mit der ganzen Familie nach Mallorca), dann will man wenigstens anständig essen. Also stürmt man Montag bis Mittwoch die Supermärkte und hamstert, wie im letzten Jahr, Nudeln, Reis, Mehl, Konserven, Zucker, Salz, Hefe ... Und Klopapier natürlich. Sofern man nicht vom letzten Jahr noch welches übrig hat.

 

Und wenn die Feiertage vorbei und die Läden wieder geöffnet sind? Rennt wieder alles los, denn man muss ja die leeren Vorratsschränke wieder auffüllen. Schließlich naht in ein paar Wochen Pfingsten, und wer weiß, was dann wieder ist ...

 

Es würde mich tatsächlich mal interessieren, nach welchen Kriterien solche Beschlüsse gefasst werden. Gießkannenprinzip? Glaskugel? Würfelbecher? Oder – wer am Lautesten schreit, kriegt Recht?

 

Für einen normal denkenden Bürger ist es nicht nachvollziehbar, warum man zwar über Ostern nach Mallorca fliegen darf, aber nicht mit einem Wohnmobil oder in einer Ferienwohnung Urlaub an der Ostsee machen. Warum Schüler und Berufstätige sich in übervolle Busse und Straßenbahnen quetschen, aber nach Schul- bzw. Dienstschluss nicht mit denselben Freunden oder Arbeitskollegen privat treffen dürfen. Oder warum man im Großraumbüro mit –zig anderen Menschen aus verschiedenen Haushalten zusammen arbeiten darf, aber an den Osterfeiertagen nur einen anderen Haushalt einladen kann. Und dann wird auch noch – mit typisch deutscher Gründlichkeit – definiert, in welchem Verwandtschaftsverhältnis der oder die Besucher zum Gastgeber zu stehen haben!

 

 Immerhin ist es schon mal ein gewaltiger Fortschritt, dass ein (Ehe)paar, das in der gleichen Wohnung lebt, im gleichen Bett schläft und am selben Tisch zusammen isst, als ‚Haushalt’ zählt. Respekt!

 

Übrigens ist mir heute endlich klar geworden, warum ich seit Tagen einen Brummschädel habe. Daran ist garantiert das ständige Kopfschütteln schuld. Also, darauf hätte ich ja wirklich schon früher kommen können!

 

 

 

 

 

© Christine Rieger / 2021

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Anna Neder von der Goltz (Mittwoch, 24 März 2021 13:06)

    Liebe Christine,
    du hast es auf den Punkt gebracht. Klarer hätte man die Situation nicht beschreiben können. Ich habe lange überlegt, ob meine Stimmungsschwankungen hormonell bedingt sind, doch ich glaube sie sind eher den politischen Covid 19 Beschlüssen geschuldet.

    Herzliche Grüße
    Anna

  • #2

    Christine (Mittwoch, 24 März 2021 16:30)

    Liebe Anna,
    falls es Dich tröstet: Deine Stimmungsschwankungen sind mit großer Wahrscheinlichkeit corona-verordnungs-bedingt. Ich komme mir nämlich schon seit Monaten vor wie in der Achterbahn!
    Ich habe lange überlegt, ob ich meinem Frust auf diese Weise Ausdruck verleihen soll - aber jetzt bin ich froh, dass ich es getan habe!
    Liebe Grüße
    Christine