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Schlag auf Schlag

 

Meine Güte, so langsam setzt mich die Regierung ganz schön unter Stress! Ich bin zwar mittlerweile daran gewöhnt, dass Entscheidungen innerhalb kürzester Zeit getroffen werden (wozu man früher Monate oder Jahre brauchte), aber was seit drei Tagen abgeht, stellt jede Rakete in den Schatten. Sooo schnell kann ich gar nicht schreiben, wie die Herrschaften ihre Beschlüsse fassen und wieder umschmeißen. Dabei bin ich alles andere als langsam!

 

Also, bitte, liebe Regierung, so geht das doch nicht! Als würden das blöde Corona-Virus und die getroffenen Anordnungen nicht schon genug Chaos verursachen, revidiert Ihr Eure Entscheidungen jetzt schneller und öfter als ich meine Unterwäsche wechseln kann! Tztztz ...

 

Die erst in der Nacht von Montag auf Dienstag nach stundenlangem Sitzungsmarathon beschlossene ‚Osterruhe’ ist einen Tag später schon wieder Geschichte. Man hat ja kaum noch Zeit, sich über die geradezu absurde Unlogik zu echauffieren, da ist schon wieder alles vorbei ... 

 

Na gut – wenn man früh um drei irgendwelche Entscheidungen trifft, während die Hälfte der Teilnehmer schon mit dem Finger auf der Twitter-Sendetaste eingedöst ist, braucht man sich nicht zu wundern, dass seltsame Dinge dabei rauskommen!

 

Wie ich schon vor kurz nach der Bekanntgabe festgestellt habe, war die Entscheidung mit der ‚Osterruhe’ ziemlich albern. Und unlogisch. Vielleicht sollte die Regierung das nächste Mal ein paar Leute aus der Wirtschaft zu Rate ziehen, bevor sie so einen Unfug raushaut. Und damit meine ich jetzt nicht die ‚Fachleute’ aus der Vorstandsetage mit den üppigen Gehältern. Die sind genau so abgehoben und weltfremd. Nein, ich meine jemanden aus der Praxis. Sagen wir: den Filialleiter eines Discounters.

 

Der hätte nämlich voraussagen können, dass der ‚Osterruhe-Plan’ gar nicht funktionieren kann. Weil schließlich die Waren, die man verkaufen will, nicht nebenan in der Scheune oder unter der Kellertreppe rumliegen, sondern erst mal herangeschafft werden müssen. Sowas nennt sich ‚Lieferkette’. Und die kann man nicht nach Lust und Belieben unterbrechen wie die Stromzufuhr an der leeren Kühltheke.

 

Oder wie ist das mit dem frischen Obst und Gemüse? Wenn das nicht verkauft wird und dann zwei Tage im Regal rumgammelt, kann man es wegschmeißen. Schließlich will niemand welken Salat, lätschige Karotten oder angefaulte Erdbeeren. Aber woher sollen die Abgeordneten in ihren höheren Sphären das schon wissen!

 

Bestimmt haben diese Herrschaften eine Haushälterin (oder die Ehefrau), die täglich im Supermarkt in der Warteschlange steht oder sich eine Dreiviertelstunde vor dem Metzgerladen die Beine in den Bauch steht.  Weil nach den Corona-Verordnungen nur vier Kunden gleichzeitig im Laden sein dürfen, aber drei davon für die nächsten Lockdown-Monate einkaufen und die alte Dame mit dem Gehwagen sich nicht entscheiden kann, ob sie lieber dreißig Gramm Salami oder fünfzig Gramm Leberwurst nehmen soll. 

 

Würden einige der Mandatsträger gelegentlich mal selbst einen Supermarkt oder einen Metzgerladen betreten, hätten sie zumindest eine Ahnung davon, dass gerade vor Feiertagen der Andrang in den Geschäften besonders groß ist. Wenn man dann noch den letzten und umsatzstärksten Tag  von jetzt auf gleich – zack – zum Ruhetag erklärt, dann trampeln sich an den verbleibenden Tagen die Kunden auf den Füßen herum. Was sie ja gerade jetzt nicht sollen!

 

Gott sei Dank ist dieses lebensfremde Konstrukt noch rechtzeitig gestoppt worden. Nur – wie geht es jetzt weiter? Hocken die ‚Entscheider’ über unser Wohl (momentan eher über unser Wehe) jetzt wieder die halbe Nacht vor ihren Bildschirmen und hecken neue Pläne aus?

 

Man darf gespannt sein, was morgen wieder als Eilmeldung über die Nachrichtenticker gejagt wird ...

 

 

 

© Christine Rieger / 2021

 

 

 

 

 

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