Portraitfoto: © Rudi Rieger

 

Wie kommt jemand dazu, Autorin zu werden?

 

Nun ja - ich kann natürlich nur für mich sprechen. Ich jedenfalls bin durch Zufall dazu gekommen. Wie eigentlich zu allen meinen Hobbys.

     Nach dem Ende meines Arbeitslebens meldete ich mich bei einem Sozialen Netzwerk an.  Nein, nicht bei FB, sondern einem für die Generation 50+. In der Hoffnung, dort neue Leute aus meiner Heimatstadt  kennen zu lernen. Menschen, die gleiche oder ähnliche Interessen haben wie ich. Meine bisherigen Freunde waren fast alle noch berufstätig - oder sie leben weit weg. Zu weit, um mal schnell auf einen Kaffee vorbeizufahren.

     Ein paar Monate nach meiner Anmeldung gründete eine Nutzerin eine neue Gruppe mit dem  Namen  "Schreibwerkstatt". Es ging in dieser Gruppe darum, zu einem monatlich ausgegebenen Reizwort eine Geschichte, ein Gedicht, einen Kurzkrimi, ein Märchen oder sonst etwas zu verfassen, das einem zu diesem Thema einfiel. Die anderen Mitglieder der Gruppe gaben einem Feedback, in Form von Lob oder Kritik oder auch Hinweisen auf sachliche Fehler in den Beiträgen. Bis dahin hatte ich nie irgend etwas geschrieben. Außer Glückwunsch- und Weihnachtskarten, Briefe an Ämter und Behörden, und natürlich  alles, was mit meinem Beruf zusammenhing.

     Natürlich hatte auch ich den Traum, mal ein Buch herauszugeben.  Wer hat den nicht, wenn er noch jung ist? Bei endlosen Sonntagsspaziergängen oder Wanderungen mit meinen Eltern (oder wenn ich abends nicht einschlafen konnte) dachte ich mir oft Geschichten aus. Meistens irgend etwas furchtbar romantisches ... Niedergeschrieben habe ich diese Geschichten nie. Es wäre mir allzu peinlich gewesen, hätte sie jemand gelesen!  Nun gut - lange Rede kurzer Sinn: Beim ersten Thema hatte ich noch nichts zu sagen (da ging es um die Bibel). Aber das zweite (Angst) brachte mich nach langer Überwindung dazu, eine Geschichte zu schreiben und in der "Schreibwerkstatt" zu veröffentlichen. Und siehe da:  Zu meiner  eigenen Überraschung  fand sie großen Anklang!

     Nun wurde ich mutiger. Bei manchen Themen schaffte ich es, fünf bis sieben Kurzgeschichten in einem Monat zu schreiben! 

     Eines Tages bekam ich eine Anfrage von einer anderen Autorin aus der Gruppe. Sie wollte gerne eines meiner Märchen als Gastbeitrag in ihren Blog einstellen! Natürlich sagte ich "ja" -  und fühlte mich ungeheuer geschmeichelt! Als nächstes bekam ich das Angebot, doch selbst zu bloggen und mich an einer Blogger-Gruppe zu beteiligen. Dort wurden wöchentlich jeweils 5 Reizwörter vorgegeben, die in eine Geschichte eingebaut werden mussten. Die Blogs wurden dann miteinander verlinkt, und jeder konnte lesen, was den anderen Beteiligen zu den Reizwörtern eingefallen war. Erstaunlich, wie unterschiedlich die Beiträge doch waren! Zeitweise waren wir sieben derart "vernetzte" Frauen!

     Dankenswerterweise durfte ich als "Untermieterin" einer der Bloggerinnen tätig werden. Sie richtete auch die Seite für mich ein. Ich hatte nämlich bis dahin nicht die leiseste Ahnung, was "bloggen" überhaupt ist. Geschweige denn, ich wäre imstande gewesen, mir einen Blog einzurichten! 

     Die Blog-Gemeinschaft hielt sich drei Jahre. Inzwischen hat sie sich leider aufgelöst. Meine Geschichten aber sind geblieben - inzwischen sind es 175. 

Im vergangenen Herbst habe ich dann beschlossen, ein Buch daraus zu machen. Inzwischen ist das zweite fast fertig.

     Die Leiterin der damaligen "Online- Schreibwerkstatt" - sie lebt mittlerweile in Ungarn - und die letzten vier Autoren-Kolleginnen aus der Blog-Gemeinschaft sind mir inzwischen zu Freundinnen geworden. 

  Davon abgesehen, habe ich durch das "Senioren-Netzwerk" viele andere Menschen kennen gelernt - einige auch persönlich. Wir sind durch halb Deutschland und sogar Österreich verstreut - aber wir halten Kontakt. Telefonisch,  per E-Mail, Whatsapp oder SMS ... 

 

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Woher habe ich die Ideen zu meinen Geschichten?

Da gibt es viele Möglichkeiten. Eigene Erfahrungen, Zeitungsberichte, Fernsehsendungen, Erzählungen von Freunden oder Bekannten. Ein Unfall,  ein Missgeschick, ein Glücks- oder Pech-Tag ... all das kann mich zu einer Geschichte inspirieren. Und natürlich mische ich jede Menge Phantasie darunter.

 

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Wann schreibe ich?

Am liebsten nachts. Da bin ich ungestört. Außerdem bin ich sowieso eine Nachteule, die erst am späten Abend handlungsfähig wird.

 

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Wo schreibe ich?

In unserem "Mehrzweck-Raum". So nennen wir das ehemalige Kinderzimmer, das inzwischen zu "meinem" Reich geworden ist.

Es dient als Büro. Gästezimmer, Bügelraum und Abstellkammer für Dinge, die gerade irgendwie  im Weg sind. Gelegentlich aber auch mal als "Schmollwinkel" ...

 

Mein Arbeitsplatz ... 

Foto: © Christine Rieger