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Lieber vorbeugen als langweilen ...

 

Heute ist Tag 7 der ‚Ausgangsbeschränkungen’. So langsam macht sich der Stubenkoller breit. Nein, nicht bei mir, um Himmels willen! Aber ich kriege immer öfter Nachrichten von Freundinnen oder Bekannten, denen zu Hause die Decke auf den Kopf fällt …

 

Gut, kann man ja verstehen. Für Alleinstehende und / oder Ältere ist es schon eine Herausforderung, nicht aus dem Haus zu können (oder zumindest nicht so, wie sie es gewohnt sind). Zum Arzt soll man möglichst nicht – so überhaupt einer verfügbar ist. Der tägliche Tratsch im Café fällt aus, Besuch darf man auch nicht einladen. Irgendwann ist das tragbare Telefon leergequatscht. Nicht jeder hat – wie ich – vorgesorgt, und gleich eine Telefonanlage mit zwei Hörern gekauft. WhatsApp und Internet hat nicht jeder – also … was tun?

 

Nun ja, ich habe für mich eine Möglichkeit gefunden, mich zu beschäftigen. Ich habe angefangen, meine Schränke zu ‚stöbern’ So nennt man das hier in Franken, wenn man alles rausräumt und irgendwo deponiert, um anschließend den Wollmäusen von Monaten oder gar Jahren den Kampf anzusagen.

 

Letzte Woche waren die Küchenschränke dran. Seit gestern beschäftige ich mich mit meinen Kleiderschränken …

 

Mein Gatte ist von diesen Aktivitäten wenig erbaut. Immerhin benötige ich den Balkon, um meine Klamotten aus dem Weg zu schaffen, und die Tür dorthin führt durch seinen Thronsaal. Sprich: durchs Wohnzimmer. Dafür kann ich zwar nichts – aber er findet es trotzdem unerhört, dass ich ständig mit einem Haufen Pullover oder Hosen zwischen seinem Sessel und dem Bildschirm entlang wetze. Und dann auch noch – entsetzlich – die Balkontür offen steht. Bei dieser Kälte! Wie kann ich nur!

 

Aber er rächt sich. Heute Morgen hat er mich mit der Tatsache konfrontiert, dass ich heute Nacht auf dem Balkon neunundzwanzig Hosen hängen hatte!  Neunundzwanzig! Aha. Jetzt weiß ich wenigstens endlich mal, wie viele es sind.

 

Gut, dass er nicht weiß, dass noch mindestens genau so viele auf dem Dachboden hängen! Die für den Sommer nämlich – und in einem anderen Schrank diejenigen, die mir im vergangenen Jahr noch gepasst hatten …

 

Man kann doch nicht immer alles wegschmeißen! Was, wenn irgendwann die gehamsterten Nudeln und der Reis zur Neige gehen und es keinen oder nur wenig Nachschub gibt? Dann könnte es ja sein, dass ich diese Hosen wieder anziehen kann. Im Übrigen habe ich auch noch einen Stapel Shorts. Die liegen zusammengefaltet in einem Regalfach. Da fallen sie nicht so auf …

 

Heute Morgen habe ich meine ganzen Oberteile im Gästezimmer aufgestapelt. Für den Fall, dass meinen Mann wieder die Langeweile überkommt. Schließlich will ich auch wissen, wie viele Pullover, T-Shirts und Jogging-Anzüge ich eigentlich habe!

 

 

 

© Christine Rieger / 2020

 

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Kommentare: 4
  • #1

    margit (Sonntag, 29 März 2020 16:52)

    habe mich sehr amüsiert über deine Alltagsstories. Beim Kleiderschrank durchforsten war ich auch schon, vorgestern waren dann die Badezimmerschränkchen dran. Auch ergiebig!
    LG und auf dass die Viren einen Bogen um dich und deine Lieben machen,
    Margit

  • #2

    Korbi *g (Montag, 30 März 2020 13:04)

    Tja, so man denn einen Kleiderschrank hat! Ich lass sowas auch meiner Frau machen. Ich stehe mehr auf Garten. Heute früh war es mir bisher zu kalt - weil ich dran bin, den Komposthaufen umzusetzen. "Rasen" vertikutiert und gedüngt ist schon. So ein Blick in den Garten ist ja immer wieder für eine Erleuchtung gut. Wie ich grad im Bad bin und mich schön mache, ruft mich meine Frau: sie hat was ganz komisches am Acker drüben gesehen. Das komische waren zwei, nicht sehr scharfe, hell+dunkel gemusterte Kleckse. Per Fernglas wurden es Vögel - mit sozusagen weißem Kopf. Also aufgerüstet und das große Glas bemüht: Eindeutig Gänse! Das Netz klärte das dann: "Rostgänse" kommen aus Fernost, sind geschützt und kommen auch am Niederrhein vor. Juhu - bis dahin wußte ich nicht mal, dass es sowas gibt. Sonst sehe ich eher Rehe und Rehböcke, viele Hunde und seit Corona jede Menge Spaziergänger! Wer sagts denn, dass das Leben nicht aufregend ist?
    Also, viel Spass mit allem, solange es kein Klopapier wegkauft!

  • #3

    Christine Rieger (Montag, 30 März 2020 17:18)

    Liebe Margit,
    bis jetzt machen die Viren Gott sei Dank wirklich einen Bogen um uns. Wir gehen auch nicht raus, wenn es nicht unumgänglich nötig ist. Ich habe auch noch einen Haufen Schränke zum Ausmisten - und wenn ich mit der Wohnung fertig bin, stehen mir noch Keller und Dachboden zur Verfügung. Was aber wenig nützt - Ausgemistetes muss ich auch wieder irgendwo stapeln, weil die Recyclinghöfe dicht sind ...
    Ich freue mich, wenn ich Dich mit meinen Geschichten erheitern konnte und werde mich bemühen, das auch in Zukunft zu tun. Zeit habe ich ja jetzt reichlich ...
    Liebe Grüße und vielen Dank für Deinen Kommentar!
    Christine

  • #4

    Christine Rieger (Montag, 30 März 2020 17:22)

    Hallo, Korbi,
    wie es aussieht, hast Du auch keine Langeweile. Ich habe zwar keinen Garten zur Verfügung - leider - aber zum Glück wenigstens einen Balkon. Ab und zu sitze ich auch draußen - wenn ich zwischen all meinen Klamotten noch Platz finde ... aber momentan ist es sowieso zu kalt.
    Komische Vögel sehe ich hier auch ab und zu - nur haben die zwei Beine und können nicht fliegen. Im Übrigen wundert es mich, dass Deine Rostgänse überhaupt eine Ausreiseerlaubnis bekommen haben ... Aber vielleicht sind sie ja schon vor Ausbruch des Virus eingereist ...
    Schön, dass Du vorbeigeschaut hast. Ich werde immer wieder mal einen Beitrag posten - damit keine Langeweile aufkommen kann. Weder bei mir noch bei den Lesern ...
    Christine